Auf Stärken aufbauen, neue Impulse setzen



2019 war Ihr erstes Jahr als Geschäftsführer. Wie fällt Ihre Bilanz aus?
Es war ein spannendes Jahr, geprägt von Chancen und Herausforderungen: beginnend mit den ergiebigen Schneefällen gleich im Jänner über die Heimweltmeisterschaft in Seefeld, die Almoffensive im Sommer bis zur Weiterentwicklung der Tirol Werbung als Teil der Lebensraum Tirol Holding. Mittlerweile kann ich sagen, dass ich in meiner Funktion angekommen bin. Mir bereitet die Aufgabe große Freude.

Eines ihrer Ziele war die organisatorische Weiterentwicklung des Unternehmens. Wo stehen Sie da?
Mit unserer neuen Struktur und Organisation haben wir den nächsten wichtigen Schritt in Richtung eines modernen und agilen Kommunikationsunternehmens gemacht. Dazu zählt beispielsweise eine engere Verschränkung der Aufgabengebiete im Tirol Haus. Das erreichen wir insbesondere durch die verstärkte Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams. Das hat die Leistungsfähigkeit der Tirol Werbung weiter erhöht. Ziel bleibt jedenfalls, auf unseren Stärken aufzubauen und neue Impulse zu setzen.

In Sachen Kommunikation wollten Sie die Tirol Werbung ebenfalls weiterentwickeln. Ist Ihnen das gelungen?
Die Kommunikation zählt zu unseren Kernaufgaben. Wir haben dafür beispielsweise die Kompetenzen im Bereich Social Media stark ausgebaut. Auch unsere Kampagnenideen entwickeln wir mittlerweile selbst im Haus. Hier entfaltet sich die Kraft der interdisziplinären Zusammenarbeit – in diesem Fall zwischen den Teams Content, Markt- und Themenmanagement. Wir haben darüber hinaus unsere eigene digitale Werbeinfrastruktur entwickelt, über die wir unsere Kampagnen ausspielen. Zusätzlich haben wir unsere Fähigkeiten ausgebaut, Kommunikations-Kennzahlen in Echtzeit zu messen und auszuwerten. Der Fortschritt hört in diesem Bereich allerdings nie auf. Daher müssen wir uns auch in Zukunft weiterentwickeln.

Anfang 2020 hat die Corona-Pandemie den Tourismus weltweit hart getroffen. Wie beurteilen Sie die Auswirkungen für Tirol?
Diese Pandemie bedeutet für die Reisebranche weltweit eine Zäsur und eine der größten Herausforderungen in der Geschichte des Tiroler Tourismus. Ich bleibe aber dennoch zuversichtlich. Denn Tirols Tourismus hat in seiner mehr als hundertjährigen Geschichte immer schon bewiesen, dass er erfolgreich mit Veränderungen umgehen kann.

Welche Lehren zieht die Tirol Werbung aus den Erfahrungen mit der Coronakrise?
Der Tiroler Tourismus ist höchst erfolgreich, wenn es ums Produkt, die Dienstleistung, Gastfreundschaft oder Kommunikation geht. Die Corona-Pandemie hat uns allerdings vor Augen geführt, dass wir in Sachen Resilienz Aufholbedarf haben. Dafür gilt es beispielsweise, die Aufgabenteilung und Verantwortungsbereiche in unserer Tourismusaufstellung noch klarer zu definieren.

Welche Aufgaben hat die Tirol Werbung in der Krise geleistet?
Nach der ersten Akutphase, in der wir Gäste, Tourismusverbände und Betriebe mit aktuellen und wichtigen behördlichen Informationen versorgt haben, ging es ums Verbundenbleiben. Wir haben dabei unter dem Hashtag #mitAbstandnah auf emotionale Botschaften gesetzt, um den Kontakt mit den Menschen zu halten. In der dritten Phase haben wir mit der Kampagne „Es geht Bergauf.“ das touristische Marketing wieder hochgefahren.

Tirol und sein Tourismus haben im Rahmen der Corona-Pandemie viel Kritik einstecken müssen. Muss sich die Branche ändern?
Die Corona-Pandemie bietet Gelegenheit für eine Standortbestimmung. Unser Land genießt dank des Tourismus internationale Bekanntheit und Bedeutung. Wir sind eines der führenden Urlaubsländer im Alpenraum. Die Tiroler Erfolgsgeschichte ist allerdings auch geprägt von Veränderungen. Aktuell spüren wir, dass die Bedeutung von Werten wie Freiheit, Sicherheit, Familie oder Ökologisierung aufgrund von COVID-19 nochmals deutlich zugenommen hat. Tirol bietet einen idealen Resonanzboden für diese Sehnsuchtsmotive. Daher ist jetzt ein idealer Zeitpunkt für eine Weiterentwicklung unserer Tiroler Tourismusstrategie und entsprechende Schwerpunktsetzungen. Das bedeutet aber nicht, unser touristisches Produkt an sich zu hinterfragen.

Abschließend: Sie wollten sich um die Wertschätzung der eigenen Bevölkerung gegenüber dem Tourismus bemühen. Hat Ihnen das Coronavirus da einen Strich durch die Rechnung gemacht?
Ich empfinde große Freude, wenn ich sehe, dass der Urlaub im eigenen Land bei den Tirolerinnen und Tirolern so gefragt ist wie noch nie. Tirol ist die wichtigste und am stärksten wachsende Herkunftsregion unter den österreichischen Bundesländern. Die Tirolerinnen und Tiroler nutzen die touristische Infrastruktur nicht nur für eine qualitätsvolle Freizeit, sondern auch zum Urlauben. Es gibt offensichtlich eine hohe Wertschätzung unserer Bevölkerung gegenüber dem touristischen Angebot. Um diese Wertschätzung müssen wir uns weiter stark bemühen.