An der Spitze



In der Tirol Werbung fand kürzlich, zum ersten Mal nach fast einem Vierteljahrhundert, ein Führungswechsel statt: Florian Phleps wurde mit Anfang Jänner 2019 zum neuen Geschäftsführer des Unternehmens bestellt und wird künftig dessen Geschicke leiten. Im Interview spricht er über seine neue Aufgabe.

 

Herr Phleps, Ihr Vorgänger Josef Margreiter hat die Tirol Werbung während seiner beinahe 24-jährigen Amtszeit stark geprägt. Wie fühlt es sich an, in so große Fußstapfen zu treten?

Ich habe bereits zwei Jahre in der Geschäftsleitung der Tirol Werbung mitgearbeitet und dabei die kaufmännischen Belange sowie die Unternehmensstrategie und das Tourismusnetzwerk verantwortet. In dieser Zeit habe ich auch genug Selbstbewusstsein entwickelt, um mir die neue Aufgabe zuzutrauen.

Wie ist die Übergabe abgelaufen?

Sehr angenehm, es hat in der Geschichte der Tirol Werbung wohl noch nie so einen reibungslosen Wechsel gegeben. Josef Margreiter hat einen klaren Schnitt gemacht, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Die Zusammenarbeit mit ihm war stets von starkem Vertrauen, gegenseitigem Ansporn und einem Ausgleich von Talenten geprägt.

Was prädestiniert Sie als Geschäftsführer der Tirol Werbung, was sind Ihre Stärken?

Die Basis bildet eine Kombination aus meiner Ausbildung mit Jusstudium und Anwaltsprüfung sowie touristischer Praxis. Der Sprung in den Tourismus auf Destinationsebene mit der Tätigkeit als Geschäftsführer des TVB Pillerseetal war eine wichtige Erfahrung. Ich habe mich damals schon stark in der Kollegenschaft engagiert. Dieses Miteinander sehe ich als wesentlich, und es hat auch zu einem starken Grundvertrauen am Beginn meiner Tätigkeit geführt. Diesen Startvorteil habe ich.

Sie waren schon in Ihrer Zeit als TVB-Geschäftsführer schnell überregional präsent – bewusst?

Mit meiner Ausbildung, mit meinem Stil, wie ich meinen Job anlege und auf Menschen zugehe, hat mich die Branche vom ersten Moment an offen aufgenommen. Das wollte ich von Anfang an immer zurückgegeben. Ich hatte aber auch Glück mit einigen spannenden Projekten in meiner Zeit als Geschäftsführer im Pillerseetal wie der Biathlon-WM und dem Zusammenschluss des Fieberbrunner Skigebiets mit Saalbach-Hinterglemm und Leogang. Die haben für überregionale Präsenz gesorgt.

Wie werden Sie Ihre neue Aufgabe als Chef der Tirol Werbung anlegen?

Ich bin jemand, der Sachen fortsetzt, die funktionieren. Gleichzeitig möchte ich die Tirol Werbung nach meinen Vorstellungen prägen. Die Grundvoraussetzungen dafür passen. Wir haben ein gut aufgestelltes Haus und Team mit einer stimmigen Kombination aus erfahrenen Mitarbeitern mit Führungsverantwortung und jungen, begeisterten Tirol-Werberinnen und -Werbern.

Was erachten Sie als die derzeit größten Herausforderungen für die Tirol Werbung?

Wir entwickeln uns gerade von einem Marketing- zu einem Kommunikationsunternehmen. Damit wollen wir dem Umbruch gerecht werden, der sich in den Medien und der Gesellschaft vollzieht. Aufmerksamkeit ist mittlerweile zu einer knappen Ressource geworden. Bisher waren unsere Maßnahmen auf Reichweite ausgerichtet. Jetzt geht es um Relevanz, um damit Reichweite zu erzielen. Diesen Entwicklungsprozess unseres Unternehmens haben wir bis 2020 definiert. Wir sind also aktuell in einer Übergangsphase und werden diesen Weg konsequent weitergehen, auch wenn noch ein gutes Stück vor uns liegt.

Und was sehen Sie als größte Herausforderungen für Tirols Tourismuswirtschaft?

Der Tourismus sollte seiner tatsächlichen Rolle entsprechend vor allem im eigenen Land wieder stärker als anziehende, zukunftsfähige Branche wahrgenommen werden. Das müssen wir allen vermitteln – von der heimischen Bevölkerung bis zu den Arbeitskräften. Als Tirol Werbung leisten wir gerne einen Beitrag dazu.

Wie geht es dem Tiroler Tourismus generell?

Der Tiroler Tourismus ist in einer komfortablen Position. Eine seiner wesentlichen Stärken bildet die Kleinstrukturiertheit mit den familien- und eigentümergeführten Betrieben. Wir haben dadurch sehr viele gute Unternehmen, Leistungsträger und bestens positionierte Destinationen. Das trägt zur Vitalität des Landes bei und sorgt für ein qualitatives Wachstum durch eine deutliche Qualitätssteigerung beim Angebot. Die weit verbreitete Meinung, dass wir auf Basis eines steigenden Bettenangebots wachsen, stimmt nämlich nicht. Im langjährigen Vergleich gibt es in Tirol einen deutlichen Bettenrückgang.

Josef Margreiter war fast ein Vierteljahrhundert lang Geschäftsführer der Tirol Werbung. Haben Sie vor, ebenso lange zu bleiben?

In der heutigen, schnelllebigen Zeit wäre es höchst vermessen, so etwas zu planen. Mein Vertrag läuft jetzt erst mal für fünf Jahre, alles Weitere wird sich zeigen.

 

Das Gespräch führte Simon Leitner für das Tourismusmagazin Saison.