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Echt Tirol: Diese Unternehmen machen die Zirbe zum hippen Holz


Die Zirbe und die Tiroler Berge, das ist eigentlich eine Liebesgeschichte. Das Holz des unverwüstlichen Baumes wurde bereits im 15. Jahrhundert für Zirbenstuben genutzt. Jetzt zieht das alte Holz in neuer Form in den modernen Alltag ein: Zwei Tiroler Unternehmer erzählen, wie Zirbenholz ein Stück Natur von draußen nach drinnen bringt kann.


Mario Raich, Gründer von Zirbenring Tirol

„Der Zirbenring soll auch zeigen: Ich gehe runter vom Gas.“

Hat ein Tischler eigentlich ein Lieblingsholz? In Mario Raichs Fall lautet die Antwort ganz klar: Ja. Der Gründer von Zirbenring Tirol (www.zirbenring.at) hat schon immer am liebsten mit Zirbenholz gearbeitet. „Für mich hat das nichts damit zu tun, dass Zirbenholz jetzt modern ist. Es sei ganz einfach ein interessantes Holz“, sagt der Handwerker und Unternehmer. Nicht nur, dass der Baum wie geschaffen scheint für die rauen Bedingungen in den Tiroler Bergen, das Holz hat in Tirol auch eine lange Tradition: „Schon früher wurde es vor allem im bäuerlichen Bereich sehr viel verarbeitet. Jetzt erlebt es eine Renaissance.“

 

Jeder Ring ein Unikat

Wie aber kommt man dazu, Ringe aus Holz zu schnitzen? Er habe seiner Frau ein Geschenk machen wollen, erzählt der Tiroler. Und weil seine Profession Tischler sei, war für ihn klar, dass sie etwas aus Holz bekommen sollte. Das handgemachte Unikat sorgte schnell für Aufsehen. Inzwischen hat Mario Raich, der hauptberuflich das Unternehmen ideenraich führt, eine ganze Kollektion an Ringen entworfen. Alle sind in unterschiedlichen Größen erhältlich, einzelne Ringe sind mit Blattgold veredelt, andere mit glitzernden Swarovski-Steinen. Und jeder Ring erzählt eine eigene Geschichte: Die Modelle „Arve“ und „Veit“, zwei Ringe für ein Paar, sind beispielsweise so designt, dass sie ineinander passen und sind aus dem gleichen Ast gefertigt.

Den wertvollen Rohstoff für seine Ringe – zumindest einen Teil davon – holt Raich selbst aus dem Wald oberhalb von Stams im Tiroler Oberland: Im Frühjahr darf er dort Äste von Zirbenbäumen einsammeln. Aus diesen Ästen und einem Zirbenbrett werden die Ringe gemacht. Zusätzlich arbeitet Raich in die Ringe ein Skelett aus Buchenholz ein: Sonst würde das weiche Zirbenholz zu leicht brechen. Dank seiner Konstruktion sind die Ringe aber sehr widerstandsfähig und stabil. Vier Karwendeltouren habe sein eigener Zirbenring mit ihm schon durchgestanden, erzählt er. „Und durch das ständige Tragen erhalten die Ringe im Lauf der Zeit eine besonders schöne Patina.“ Apropos stabil: Ist ein Ring aus dem besonders widerstandsfähigen Zirbenholz das ideale Omen für einen geglückten Heiratsantrag? Tatsächlich habe es schon Zirbenring-Anträge gegeben: „Und die waren erfolgreich. Außerdem wirkt Zirbe ja beruhigend auf die Herzschlagfrequenz, das hilft in dieser Situation vielleicht auch.“

 

Lieber langsam

Die Zirbenringe sind mittlerweile auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt, sogar in die Schweiz und nach Kärnten hat der Tirol-Lizenzpartner seine Stücke schon verkauft. Ihm ist es wichtig, mit seinem Naturprodukt ein Zeichen zu setzen – hin zu mehr Entschleunigung. „Wir sind alle ständig in unserem Hamsterrad aus Alltagsstress gefangen. Hinter der Idee des Zirbenrings steckt auch ein bisschen die Philosphie: Runter vom Gas.“

© Karin Sophie Hatzl

© Karin Sophie Hatzl

© Karin Sophie Hatzl

© Karin Sophie Hatzl

© Karin Sophie Hatzl

© Karin Sophie Hatzl

Benedikt Handler, Mitgründer von zirb

„Wir wollen das Draußen-sein ins Haus holen“

Auch den Gründern von zirb (www.zirb.at), einem Raumlüftersystem aus Zirbe, muss es ähnlich ergangen sein: Zuwenig Natur, zu viel Alltag. „Das war tatsächlich ein bisschen der Hintergrund der Idee“, sagt Benedikt Handler, Mitgründer von zirb. „Wir haben bemerkt– auch in unseren ersten Jobs – dass man ganz viel Zeit drinnen verbringt und sich so oft nach draußen wünscht. Man stellt fest: Ich bin 95 %Prozent meiner Zeit im Haus, wir sitzen andauernd vor Computerbildschirmen, das ist heute unser Lebensalltag. Also war unser Ansatz: Das Gefühl des Draußen-seins ins Haus zu bringen. Und was bietet sich da besser an als die Zirbe mit ihren Eigenschaften?“

 

Zirbe für die Stadt

Benedikt und seine zwei Mitgründer, Carl und Niko kennen sich aus der Universität. Zu dritt feilten sie an ihrer Idee: Sie entwickelten Raumlüfter aus Zirbe, mit extraleisem Motor, Wasserschale und gehobelten Zirbenlocken. Der Raumlüfter soll Bakterien aus der Luft filtern, die Luftqualität verbessern und das Schlaferlebnis verbessern. Keiner der Gründer hat eine handwerkliche Ausbildung – aber kreativ und designverliebt sind sie aber alle: Davon zeugt die schlichte Optik ihrer Lüfter, die sich ideal in moderne Großstadtwohnungen einfügt. Ähnlich wie Zirbenring-Erfinder Mario Raich sieht auch Benedikt Handler in dem speziellen Alpin- und Naturgefühl, welches durch die Zirbe entsteht, ein willkommenes Gegenstück zu dem permanenten auf-Achse-sein.

 

Die Qualität zählt

Durch den Zirbenboom war es für das Jungunternehmen nicht einfach, das Zirbenholz für ihre Raumlüfter zu beschaffen. „ Am Anfang hatten wir irrsinnige Schwierigkeiten, Holz zu bekommen, das luftgetrocknet ist“, erzählt Handler. „Das ist wichtig, denn es macht die Duftstärke aus.“ In den letzten Jahren sei die Nachfrage nach Zirbenholz stark gestiegen: Allerdings müsse man das Holz erst trocknen, bevor man es verarbeiten könne. An der Luft dauere das bis zu zwei Jahre. Durch den hohen Zirbenholz-Preis würden viele Anbieter ihr Holz lieber in Trockenkammern schnell trocknen lassen. Dieses Material sei dann zwar genormt, verliere aber dadurch viel von seinem eigentlichen Kernnutzen, der durch die Harze und den Duft entstehe, weiß Handler.

Diese Kompromisse wollte man bei zirb nicht eingehen: „Für uns zählt die Qualität.“ Ihr Zirbenholz kommt aus Tirol, das Holz für die Zirbenlocken sogar direkt vom Glungezer. An ihrem Produkt werde ständig weitergefeilt, so Handler: „Ich glaube nicht daran, dass man jemals fertig ist, mit dem was man tut. Das Produkt ist wirklich gut und objektiv betrachtet sind wir Preis-Leistungs-Führer, was das zur Verfügung stellen von Zirbenholz als Raumlüfter betrifft. Aber da sind noch so viele Ideen, um noch näher an den Kundennutzen zu kommen. Wir adaptieren permanent weiter.“

 

© zirb Jenny Haimerl

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© zirb unattimophoto

© zirb Jenny Haimerl