Josef Margreiter, Geschäftsführer der Tirol Werbung, im Interview



Am 15. Oktober stimmt die Tiroler Bevölkerung darüber ab, ob sich Innsbruck/Tirol für die Austragung der Olympischen Winterspiele 2026 bewerben soll. Josef Margreiter über die Bedeutung von Sportgroßveranstaltungen für Tirol, seinen Tourismus und die Marke.

Olympische Winterspiele 2026 in Innsbruck/Tirol. Wie klingt das für Sie?

Sehr gut! Tirol gilt als das führende Sportland sowie als eine der begehrtesten Destinationen im Alpenraum, aber ohne regelmäßige Anstrengungen und auch Veranstaltungen von höchster Bedeutung würde dieser gute Ruf bereits bei der nächsten Generation verblassen und die Konkurrenz auf der Überholspur sein. Ich bin überzeugt davon, dass die zweimaligen Olympischen Winterspiele 1964 und 1976 in Innsbruck ein wesentliches Fundament für unseren heutigen Erfolg gelegt haben. Mit der erneuten Ausrichtung von Olympischen Winterspielen 2026 könnte Tirol seine Gastgeberqualitäten und Kompetenzen unter Beweis sowie die Spitzenleistungen des ganzen Standorts in die internationale Auslage stellen. Denn mit Olympischen Winterspielen kann sich unser Land vor dem größten internationalen Publikum präsentieren, welches wir mit unseren normalen Möglichkeiten nie erreichen können.

Braucht Tirol Großevents im Sport ganz generell? Welchen Nutzen bringen sie?

Wir positionieren uns seit Jahren mit gutem Grund als Sportland Nummer eins der Alpen und nutzen unsere Sportlichkeit als Differenzierungsmerkmal gegenüber unseren Mitbewerbern. Sportveranstaltungen spielen hierbei eine entscheidende Rolle – sie besitzen eine hohe Strahlkraft und tragen aufgrund der damit einhergehenden Medialisierung unser sportliches Image in die Welt hinaus. Es geht bei diesen Sportveranstaltungen also nicht nur um die unmittelbare Wertschöpfung und Kompetenzentwicklung vor Ort, sondern um die nachhaltigen kommunikativen und wichtigen Effekte, die positiv in die Marke Tirol einzahlen.

Ist der Effekt solcher Veranstaltungen überhaupt quantifizierbar?

Rund um eine mögliche Olympiabewerbung von Innsbruck und Tirol wurden die Effekte Olympischer Spiele im Land evaluiert: der Bau von 400 gemeinnützigen Wohnungen in Innsbruck, die ausschließlich der Bevölkerung zur Verfügung stehen, rund 1000 Arbeitsplätze, die allein im Rahmen der Organisation von Olympia entstehen würden, Geldleistungen für IOC-Investitionen in Tirol in Millionenhöhe, die allerdings nur fließen, wenn Olympia kommt – dies sind nur drei von vielen Effekten, von denen der Lebensraum Tirol und seine Bevölkerung nachhaltig profitieren kann. Und für die Marke Tirol bedeutet die internationale Wahrnehmung – zuletzt gab es 2,1 Milliarden Olympia-TV-Zuschauer in 220 Ländern – ein unglaubliches Potential zur Steigerung unserer Bekanntheit und Beliebtheit. Auch davon wird der heimische Wirtschaftsstandort langfristig profitieren.

Was braucht ein Event, um für Tirol Wirkung zu haben?

In erster Linie muss der Event zu uns, also zur Marke und Positionierung Tirols passen – naturnahe Sportveranstaltungen tun dies in hohem Maße und zahlen in die positive Profilierung unseres Landes ein. Im Hinblick auf die Kommunikation gilt es für alle Beteiligten, nicht nur die Effekte der Medialisierung zu nutzen, sondern die Strahlkraft einer Sportgroßveranstaltung durch intelligente komplementäre Maßnahmen weiter zu multiplizieren.

Tirol ist in nächster Zeit Gastgeber gleich mehrerer Großevents – die Kletter- und Rad-WM 2018 in Innsbruck sowie die Nordische Ski-WM 2019 in Seefeld. Welche Bedeutung haben diese Veranstaltungen für Tirol?

Für die Bevölkerung sind solche Events eine wunderbare Möglichkeit, den Spitzensport quasi vor der eigenen Haustür hautnah mitzuerleben, während sie von den infrastrukturellen Weiterentwicklungen wie dem Bau der neuen Kletterhalle oder dem Ausbau und der Verbesserung unseres Radwegenetzes nachhaltig profitiert.